{"id":6642,"date":"2017-02-01T13:05:22","date_gmt":"2017-02-01T13:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/green-liberty.org\/circlesandsquares\/?p=6642"},"modified":"2017-02-01T13:05:22","modified_gmt":"2017-02-01T13:05:22","slug":"6642","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/green-liberty.org\/circlesandsquares\/2017\/02\/01\/6642\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align:center;\">Huffington Post Deutschland<\/h1>\n<h1 style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/emanuel-pastreich\/der-chinesische-traum-nac_b_14511328.html\">\u201cDer Chinesische Traum: Nachahmung oder grundlegende Alternative?\u201d<\/a><\/h1>\n<h1 style=\"text-align:center;\">2016\/02\/01<\/h1>\n<h1 style=\"text-align:center;\"><\/h1>\n<h1 style=\"text-align:center;\">Emanuel Pastreich<\/h1>\n<blockquote>\n<h2>Als ich k\u00fcrzlich in Nanjing eintraf um an einer Konferenz teilzunehmen, fragte ich den Studenten, der mir als Wegf\u00fchrer zugewiesen war, ob er mich zu dem ber\u00fchmten konfuzianischen Tempel Fuzimiao in der Altstadt bringen k\u00f6nnte. Es war mein erster Besuch in der Stadt Nanjing, und ich wollte deren Seitengassen erkunden und vielleicht in einem traditionellen Teehaus halt machen.<\/h2>\n<h2>Ich kannte Nanjing &#8211; oder &#8216;Jinling&#8217;, als das es in der Zeit vor der Ming-Dynastie bekannt war &#8211; obwohl ich es zuvor nie besucht hatte. Ich hatte viele Gedichte gelesen, die in Bezug zu Nanjing stehen, als ich an den Universit\u00e4ten von Tokio und Harvard chinesische Literatur studiert hatte. Die Landschaft des Qinghuai Flusses war mir aus Sammelb\u00e4nden des 17. Jahrhunderts vertraut, und ich hatte mir die ausladenden Herrenh\u00e4user Nanjings im 18. Jahrhundert vorgestellt, als ich im College den Roman &#8220;Der Traum der Roten Kammer&#8221; gelesen hatte.<\/h2>\n<h2>Aber meine Suche nach Spuren des alten &#8216;Jingling&#8217; in den ungeb\u00e4ndigten Stra\u00dfen des zeitgen\u00f6ssischen Nanjing war erfolglos. Alle traditionellen Geb\u00e4ude um den Fuzimiao-Tempel waren abgerissen worden und ersetzt durch fade Betonbauten, in denen Schnellrestaurants und T-Shirt-L\u00e4den untergebracht waren. Obwohl einige Gesch\u00e4fte ausgezeichnete Tees anboten, unterschieden sich die Speisen und die angebotene Kleidung kaum von dem, was man in Bangkok oder dementsprechend auch in Los Angeles finden kann. Nichts war in Nanjing hergestellt worden. Die Stadt hatte ihre Gemeinschaft an Kunstgewerblern und Handwerkern verloren, ganz zu schweigen von ihren Dichtern und Schriftstellern.<\/h2>\n<h2>Das Innere des Fuzimiao Tempels f\u00fchlte sich nicht authentisch an. Die W\u00e4nde waren aus purem Beton geformt, nicht aus Stein oder Mauerputz. Das Geb\u00e4lk war von rauen H\u00e4nden geschnitzt worden, und die Ecken, in denen der Fu\u00dfboden auf die W\u00e4nde trifft, waren nur unpfleglich fertiggestellt worden. Das Mobiliar war d\u00fcrftig gefertigt worden und die an den W\u00e4nden aufgeh\u00e4ngte Kalligrafie war mittelm\u00e4\u00dfig.<\/h2>\n<h2>Ich stie\u00df an diesem Nachmittag in Nanjing nicht auf gro\u00dfe Historie, nichts wie die Relikte einer inspirierenden Vergangenheit wie man sie im Notre Dame in Paris oder um den Tdaiji -Tempel in Nara herum finden kann. Ich hatte aus einigen Darlegungen, die ich gelesen hatte, den Eindruck gewonnen, dass Nanjings Vergangenheit etwas sei, mit dem sich Chinesen obligatorisch besch\u00e4ftigen m\u00fcssten. Aber wenig von dieser alten Zivilisation hat in der Gegenwart Relevanz.<\/h2>\n<h2>Mein studentischer Wegf\u00fchrer war bei der Suche nach einem traditionellen Teehaus sehr behilflich, doch ich ging fort mit einem tiefen Gef\u00fchl der Traurigkeit, da so viel des traditionellen Chinas verloren gegangen war &#8211; nicht so sehr wegen Mao Zedongs Kulturrevolution, sondern durch das Entstehen einer r\u00fccksichtslosen Konsumkultur. Diese Traurigkeit war nach ihrem Wesen ganz sicher nicht sentimental.<\/h2>\n<h2>Die wahre Trag\u00f6die besteht darin, dass China einst der Welt das am weitesten entwickelte System zur Unterst\u00fctzung einer komplexen B\u00fcrokratie und einer gro\u00dfen Bev\u00f6lkerung bot &#8211; und dies vollst\u00e4ndig auf der Grundlage nachhaltiger organischer Landwirtschaft. Als der amerikanische Agrarwissenschaftlicher Franklin Hiram King das Buch &#8220;4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan&#8221; (&#8220;Farmers of Forty Centuries, or Permanent Agriculture in China, Korea, and Japan&#8221;) im Jahr 1911 geschrieben hatte, argumentierte er, dass Ostasien ein Modell f\u00fcr eine wahrhaftig nachhaltige Landwirtschaft bieten w\u00fcrde, welches die USA so bald wie m\u00f6glich ebenso einf\u00fchren sollten. Tragischerweise hat stattdessen China den t\u00f6dlichen amerikanischen Mix aus Kunstd\u00fcnger und Pestiziden importiert, der nichts Nachhaltiges bietet. Die chinesische Weisheit der Landwirtschaft ist den jungen Menschen genau in dem Moment verloren gegangen, als sie am dringendsten ben\u00f6tigt wird.<\/h2>\n<h2>So haben auch die chinesischen Traditionen der Bescheidenheit und Gen\u00fcgsamkeit, des Respekts vor dem Alter und der pers\u00f6nlichen Demut eine enorme Zugkraft als Alternative zu einer r\u00fccksichtslosen Konsumgesellschaft. Aber wenn Sie nach China reisen um nach diesen Werten Ausschau zu halten, dann werden Sie entt\u00e4uscht werden.<\/h2>\n<h2><strong><u>Die westlichen Tr\u00e4ume von China<\/u><\/strong><\/h2>\n<h2>Viele Menschen aus dem westlichen Kulturkreis suchen in China eine Alternative zu der tiefen Mal\u00e4se, welche die westliche Kultur infiziert hat. Es war ein \u00e4hnlicher Impuls, der mich dazu inspiriert hatte chinesische Literatur zu studieren: eine Desillusionierung von Materialismus und Militarismus, welche langsam die Institutionen der Vereinigten Staaten zerfra\u00dfen. Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus bieten Amerikanern eine Alternative zu einer Gesellschaft, in der alle Handlungen des Individuums in Geldwert umgerechnet werden.<!--more--><\/h2>\n<h2>Ich war als Student von China wegen des von ihm ausgegehden Appels an die Gen\u00fcgsamkeit und seines Bekenntnisses zur Einheit von Lernen und ethischem Handeln inspiriert. Viele der gro\u00dfen konfuzianischen Gelehrten machten es sich zur Gewohnheit nur das zu essen, was sie brauchten und von Luxus Abstand zu nehmen. Selbst gut situierte Chinesen vermieden Verschwendung und Prahlerei und betrachteten Literatur und Philosophie als h\u00f6chste G\u00fcter. China verk\u00f6rperte eine der Beschaulichkeit verschriebene Zivilisation, in der D\u00f6rfer eine umsichtige Eintracht mit der Natur behielten, die f\u00fcr Jahrhunderte deren \u00dcberleben sicherstellte.<\/h2>\n<h2>Aber wenn ich heute China besuche, dann finde ich dieselbe blinde Verehrung falscher G\u00f6tter, die ich in den Vereinigten Staaten hinter mir lassen wollte. Ich bin best\u00fcrzt ob der sinnlosen Verschwendung von Nahrungsmitteln in chinesischen Restaurants und \u00fcber die impulsive, \u00fcberfl\u00fcssige Anschaffung unn\u00f6tiger Produkte und Accessoires durch einen Teil der Chinesen. Ein solches Handeln w\u00e4re von den Chinesen vor 100 Jahren als schandhaft betrachtet worden &#8211; und solcher Konsum ist auch heute schandhaft im Zeitalter des radikalen Klimawandels. Heute werfen die meisten jungen Chinesen Plastikflaschen und Plastikt\u00fcten gedankenlos weg, genauso wie ihre gleichalten Zeitgenossen in Amerika.<\/h2>\n<h2>\u00c4u\u00dferst tragisch ist es, dass chinesische B\u00fcrokraten wirtschaftlichen Erfolg ebenso an denselben schiefen \u00f6konomischen Theorien und Fetischismen messen, die dem Westen gro\u00dfen Schaden zugef\u00fcgt haben. Chinesen werden in schicke Kaufh\u00e4user gelockt, die voll von Einwegartikeln sind, und sie halten glitzernde Kampfflugzeuge f\u00fcr Symbole nationaler Gr\u00f6\u00dfe. Ich bin empfindsam gegen\u00fcber dieser Ver\u00e4nderung, weil ich als Amerikaner gesehen habe, wie mein eigenes Land vom Weg abgekommen ist und wie dessen Bewohner, auf der Suche nach Schutz vor der rauer werdenden Realit\u00e4t, in die Fantasiewelt des Konsums fl\u00fcchten.<\/h2>\n<h2>Amerika hat elendig dabei versagt der Welt ein ethisches Modell zu bieten. Mein Land hat sich w\u00e4hrend der vergangenen 20 Jahre nicht nur an einer Serie von illegalen Kriegen beteiligt; die Amerikaner sind derart narzisstisch geworden, dass sie keine Bem\u00fchungen unternehmen um f\u00fcr die Welt h\u00f6here Standards in Fragen der Umweltpolitik aufzustellen, oder im Interesse derer, die nicht \u00fcber die Vorz\u00fcge von Reichtum verf\u00fcgen.<\/h2>\n<h2>W\u00e4hrenddessen gibt China weltweit den Schritt f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder vor. Die Nationen Afrikas und Asiens wenden sich an China als Modell erfolgreicher Entwicklung um diesem zu folgen und erhalten dabei zunehmend Hilfsgelder aus Peking. China hat eine Wirkung auf die Welt wie kein anderes Land, da jeder f\u00fcnfte Erdbewohnern in China lebt. Chinas Kultur beeinflusst direkt Nationen in Afrika und S\u00fcdamerika, und viele der Entwicklungsnationen balgen sich darum Chinesisch zu lernen.<\/h2>\n<h2>China hat die enorme Weisheit und Tiefe seiner Kultur, eine lange Tradition nachhaltiger Landwirtschaft und des intellektuellen Strebens nach Bescheidenheit, welche eine Alternative f\u00fcr Entwicklung bieten k\u00f6nnen. China bietet aber derzeit keine fundamentale Alternative zum Konsum-basierten U.S.-Modell.<\/h2>\n<h2><strong><u>Der Chinesische Traum<\/u><\/strong><\/h2>\n<h2>Viele Chinesen w\u00fcnschen sich ein starkes China, das f\u00fcr seine eigenen Interessen einstehen kann und f\u00fcr immer die Erniedrigungen hinter sich lassen kann, an denen es nach den Opium-Kriegen (1839-1842; 1856-1860) litt. Der Wunsch aufseiten der Chinesen nach dem Aufbau nationaler St\u00e4rke um fremden M\u00e4chten standzuhalten ist verst\u00e4ndlich. Ungl\u00fccklicherweise imitiert die Behauptung nationaler Macht oft die Gestalt der Verlockungen jener nationalen Macht, wie sie von den Vereingten Staaten vielgeliebt ist, wie zum Beispiel das Herstellen von Flugzeugtr\u00e4gern und Panzern statt eines Bekenntnisses zur Begegnung realer Sicherheitsbedrohungen wie dem Klimawandel.<\/h2>\n<h2>Die Debatte in China war diejenige, ob China sich weiterhin den Neoliberalismus zu eigen machen sollte, oder ob es seine Maoistischen Traditionen wiederbeleben sollte. Die R\u00fcckkehr zu traditionellen Betrachtungsweisen der \u00d6konomie, der \u00d6kologie und des Gemeinwesens wurden als dritter Weg nicht ber\u00fccksichtigt. Pr\u00e4sident Xi Jinping stellte den &#8220;Chinesischen Traum&#8221; in den Mittelpunkt der Debatte dar\u00fcber, wie weit die chinesische Globalisierung getragen werden sollte.<\/h2>\n<h2>Xi benutzte den Begriff &#8220;Chinesischer Traum&#8221; (Zhongguomeng) im November 2012 im Anschluss an den 18. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas und prognostizierte eine &#8220;Erneuerung Chinas&#8221;, welche die Form eines &#8220;Traums der gesamten Nation, sowie jedes Einzelnen&#8221; annehmen w\u00fcrde. Obwohl dieser Traum als eine spirituelle Herausforderung der B\u00fcrger pr\u00e4sentiert wurde, die zusammen an einem besseren Land arbeiten, und an einer besseren Welt, so bedeutet f\u00fcr viele Chinesen der &#8220;Chinesische Traum&#8221; schlicht ein reiches China, randvoll mit gro\u00dfen Autos, langen Schnellstra\u00dfen, emporschnellenden Wolkenkratzern und mit von Konsumg\u00fctern \u00fcberf\u00fcllten Gesch\u00e4ften. Der Traum von dem Tag, an dem sie in teuren Restaurants essen gehen k\u00f6nnen und so viel bestellen k\u00f6nnen, dass sie gut und gern einen Pulk davon zur\u00fccklassen k\u00f6nnen. Viele Chinesen betrachten das westliche &#8220;gute Leben&#8221; als Fortschritt, selbst wenn wir alle die Zeichen von dessen drohendem Untergang wahrnehmen.<\/h2>\n<h2>Wir sollten das traditionelle China nicht glorifizieren, beispielsweise in Anbetracht der Rigidit\u00e4t konfuzianischer Lehren in der sp\u00e4ten imperialen Periode oder der ernsthaften Einschr\u00e4nkungen gegen\u00fcber den Handlungsm\u00f6glichkeiten von Frauen. Gleichzeitig sollten Chinesen ihre Vergangenheit nicht als etwas sehen, das \u00fcberwunden werden muss, sondern als eine Inspiration f\u00fcr die Zukunft. Die chinesische Kultur nahm an, dass Sch\u00fcler, von der Kindheit an, an das Lesen von Dichtkunst herangef\u00fchrt werden sollten und Ethik und Philosophie studieren sollten, statt nur Betriebswirtschaftslehre und Vermarktung. Von Intellektuellen wurde erwartet, dass sie ihren Verpflichtungen gegen\u00fcber der Gesellschaft und gegen\u00fcber einer verantwortungsbewussten Regierungsf\u00fchrung einhalten w\u00fcrden. Und von Regierungsoffiziellen wurde erwartet, dass sie solche Intellektuelle waren, die zuv\u00f6rderst die Geisteswissenschaften sch\u00e4tzen w\u00fcrden. Was wir brauchen ist etwas, das sich n\u00e4her an dem befindet, was Ernst Friedrich Schumacher (1911-1977) in seinem Buch Die R\u00fcckkehr zum menschlichen Ma\u00df (Originalausgabe: Small is Beautiful. A Study of Economics as if People Mattered) als den &#8220;Mittelweg&#8221; zwischen &#8220;materialistischer Achtlosigkeit&#8221; und &#8220;traditioneller Unbeweglichkeit&#8221; bezeichnete.<\/h2>\n<h2>China wuchs \u00f6konomisch nicht dadurch, dass es die V\u00f6lker der Welt und deren nat\u00fcrliche Rohstoffe ausgebeutet h\u00e4tte, in der Art, wie es die Europ\u00e4er und Amerikaner taten, und noch immer tun. Vielleicht k\u00f6nnen wir uns in der Zukunft eine Welt vorstellen, in der China, anstatt dem Club der raubgierigen Globalisten beizutreten, zu seinen urspr\u00fcnglichen Wurzeln einer nachhaltigen \u00d6konomie zur\u00fcckkehrt, welche die Geisteswissenschaften und die Weisheit vor allem anderen w\u00fcrdigt und dies als neuen &#8220;Chinesischen Traum&#8221; deutet, f\u00fcr alle Chinesen genauso wie f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder.<\/h2>\n<h2>Die Chinesen m\u00fcssen in ihren Traum das Blickfeld einer langfristigen \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Gerechtigkeit einflie\u00dfen lassen &#8211; Werte, welche in vielerlei Hinsicht das Herz der konfuzianischen und taoistischen Tradition formen. China sollte aus seiner Tradition der \u00d6kologie und der politischen Ethik sch\u00f6pfen, als Grundlage f\u00fcr eine neue Weltsicht, die Alternativen zur Metrik von &#8220;\u00f6konomischem Wachstum&#8221; und &#8220;Konsumenten-Indizes&#8221; bietet. China hat die philosophischen Grundlagen &#8211; die \u00c4sthetik &#8211; die n\u00f6tig ist um solche intellektuellen Institutionen aufzubauen. Chinesen in der Ming- und Qing-Dynastie waren vollst\u00e4ndig dazu in der Lage, Jahrhunderte umspannende Bew\u00e4sserungspl\u00e4ne zu entwerfen und umzusetzen.<\/h2>\n<h2>Vielleicht wird das Wiederentdecken traditioneller chinesischer Konzepte der nachhaltigen Landwirtschaft als notwendiger Stimulus dienen um eine &#8220;Synthese zu schaffen, die \u00d6konomie und Umweltschutz auf eine Weise zusammenschwei\u00dfen kann, die beide Wissenszweige grunds\u00e4tzlich reorientiert&#8221;, wie John Feffer es in seinem Artikel &#8220;The New Marx&#8221; schreibt. Die Frage ist, ob die Chinesen bereit daf\u00fcr sind um den Schatz anzuerkennen, den sie bereits in ihren H\u00e4nden halten.<\/h2>\n<h2>Ob China darauf vorbereitet ist eine f\u00fchrende Rolle in der Welt zu spielen, ist irrelevant. China wurde bedingt durch die Umst\u00e4nde auf das Podium gesto\u00dfen, ob bereit oder nicht. Der tiefe Verfall der amerikanischen Kultur w\u00e4hrend der vergangenen drei Jahrzehnte, zusammen mit der auff\u00e4lligen Unverantwortlichkeit der amerikanischen Intellektuellen, hat die Vereinigten Staaten in internationale und inl\u00e4ndische Probleme verwickelt, die sie von einer solchen zentralen Rolle innerhalb der internationalen Gemeinschaft abhalten werden, egal, was die amerikanischen Medien sagen m\u00f6gen.<\/h2>\n<h2>China ist das einzige Land, das die finanzielle St\u00e4rke hat, die wissenschaftliche Sachkenntnis, die Gr\u00f6\u00dfenordnung und die Tiefe seiner Institutionen und seiner Kultur um eine solche globale Rolle zu spielen. Umsomehr, als dass China in Asien ein Hegemon war, aber nicht in einem kolonialen Sinne wie England, Frankreich, Spanien oder Deutschland es waren. Es gibt eine Chance, dass China weltweit f\u00fcr gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen wird. Aber dieser letzte Punkt ist weit davon entfernt als sicher zu gelten. Die entscheidende Frage ist, ob China die Kreativit\u00e4t und die moralische Autorit\u00e4t hat um von dem Reiz von Reichtum und Macht Abstand zu nehmen und kritisch beurteilt, inwiefern seine traditionelle Kultur eine gangbare Alternative sowohl f\u00fcr China als auch f\u00fcr die Welt erm\u00f6glichen kann.<\/h2>\n<h2>Die Mehrheit der Chinesen hat den Umstand noch nicht begriffen, dass es jetzt Chinas Verantwortung ist, und dies nicht nur als g\u00fcnstige Gelegenheit, um f\u00fcr den Rechtsgrundsatz einzutreten und f\u00fcr eine bessere, nachhaltige Zukunft weltweit. Einige L\u00e4nder entscheiden sich dazu Alternativen anzubieten, und einigen L\u00e4nder ist diese Verantwortung auferlegt. China findet sich dabei in der letzteren Position, und die Welt erwartet Chinas Entscheidung.<\/h2>\n<h2><strong><u>Die Zukunft der &#8220;Neuen Seidenstra\u00dfe&#8221; (&#8220;One Belt, One Road&#8221;, \u201eYidai, Yilu&#8221;)<\/u><\/strong><\/h2>\n<h2>Genau in dem Moment, in dem China dazu aufgerufen ist eine zentrale Rolle in der Weltwirtschaft einzunehmen, hat das Land sein Projekt der \u201eNeuen Seidenstra\u00dfe&#8221; ins Leben gerufen. China hat Nationen aus der ganzen Welt dazu eingeladen an diesem Projekt teilzuhaben um Integration und Zusammenarbeit zwischen den Nationen Eurasiens zu f\u00f6rdern.<\/h2>\n<h2>Der Fokus der \u201eNeuen Seidenstra\u00dfe&#8221; liegt bisher auf den Bereichen der Infrastruktur und der Ressourcenentwicklung. Diese Projekte k\u00f6nnen bisweilen brauchbar sein um eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln, doch in vielen F\u00e4llen sind sie das nicht. Der Schwerpunkt wurde auf die Erh\u00f6hung des \u00d6l-, Gas- und anderen Rohstoffflusses nach China gelegt, um weiteres Wachstum und Investitionen zu f\u00f6rdern. Die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB), der Neue Seidenstra\u00dfen Fonds (NSRF), die Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO), der Seidenstra\u00dfen Goldfonds und der Bergbau-Industrie-Entwicklungsfonds haben wenig mit der Erhaltung der Umwelt zu tun. Dieser Impetus zum Konsum als nationale St\u00e4rke verspricht nichts Gutes, da der chinesische Verbrauch von Nahrungsmitteln und Treibstoffen einen immensen Einfluss auf die ganze Welt hat, wie es Lester Brown in seinem Buch \u201eWho will Feed China?&#8221; aufgezeigt hat. Dennoch, das Projekt befindet sich noch am seinem Anfang und China k\u00f6nnte dieses Projekt dazu nutzen um neue Institutionen, neue ordnungspolitische Wege und neue Umgangsformen zu begr\u00fcnden, welche die Welt in eine richtigere Richtung geleiten.<\/h2>\n<h2>Die \u201eNeue Seidenstra\u00dfe&#8221; ist aus zwei Gr\u00fcnden eine beispiellose Gelegenheit. Sie ist eine Gelegenheit um eine neue internationale Gemeinschaft zu begr\u00fcnden, welche unmittelbar den Vorschriften der Charta der Vereinten Nationen folgt, einer Tradition, die in Europa und in den Vereinigten Staaten in Vergessenheit geraten ist. Aber sie bietet uns auch die M\u00f6glichkeit, Institutionen f\u00fcr globale Regierungsorganisation zu schaffen, die einer dicht integrierten Welt angemessen sind und nicht wie die Weltbank dominiert sind von privaten Aktienfonds (private equity funds) und multinationalen Konzernen.<\/h2>\n<h2>Das Projekt der &#8220;Neuen Seidenstra\u00dfe&#8221; ben\u00f6tigt weltweite Zusammenarbeit und kann nicht von China diktiert werden. Dieser Umstand bietet auch die seltene M\u00f6glichkeit neue Instutionen des Konsenses zu gr\u00fcnden, die nicht von Superm\u00e4chten dominiert werden. Aber dieses Potenzial kann nur umgesetzt werden, wenn andere Nationen dieses Projekt als Plan f\u00fcr die Menschheit ernst nehmen, und nicht blo\u00df als M\u00f6glichkeit um Geld zu verdienen.<\/h2>\n<h2>China sollte auch tiefer \u00fcber die gemeinsame Bezeichnung f\u00fcr das Projekt der &#8220;Neuen Seidenstra\u00dfe&#8221; nachdenken. Der Begriff &#8220;Seidenstra\u00dfe&#8221; geht zur\u00fcck auf die Zeit des \u00dcberlandhandels zwischen China und dem \u00fcbrigen Eurasien w\u00e4hrend der Tang-Dynastie, \u00fcber Handelszentren wie Samarkand und Andijon und \u00fcber den Seeweg, der China und Indien, Persien und Afrika verbindet. Aber das Wesen der Seidenstra\u00dfe bestand nicht nur aus Geld und Handel. Die Seidenstra\u00dfe verweist auch auf den tiefen kulturellen Austausch zwischen China, Zentralasien, Indien und Persien, der in der Zeit der Tang-Dynastie das Erbl\u00fchen der buddhistischen Philosophie mit sich brachte, die exquisiten Wandmalereien der Dunhuang-H\u00f6hlen, das zierliche Porzellan und die Skulptur von Changan, und die lyrische Poesie von Li Bai und Du Fu, welche die Weichen f\u00fcr die gesamte folgende chinesische Literaturgeschichte stellte.<\/h2>\n<h2>Vermag diese neue Seidenstra\u00dfe den ausgetretenen Pfad \u00f6konomischer Entwicklung westlicher Manier zu meiden und ihren Blick auf das Streben nach den h\u00f6chsten Stufen kultureller Ausdrucksform zu richten? Oder k\u00f6nnte sie mehr Gewicht auf \u00f6kologische Landwirtschaft legen, anstelle des Baus dutzender neuer Flugh\u00e4fen? K\u00f6nnten gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Gewinnung nachhaltiger Energie, den Abbau von Erd\u00f6l und Metallen abl\u00f6sen?<\/h2>\n<h2>Momentan gibt es wenige Indikatoren f\u00fcr eine solche Ver\u00e4nderung. Aber China hat solche radikalen Transformationen in der Vergangenheit dargeboten. China tr\u00e4gt die L\u00f6sung in seiner Vergangenheit, obwohl sich viele Chinesen dessen nicht bewusst sind. Vielleicht unterbreitet Chinas Vergangenheit die letzte Gelegenheit f\u00fcr unsere gemarterte Welt.<\/h2>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Huffington Post Deutschland \u201cDer Chinesische Traum: Nachahmung oder grundlegende Alternative?\u201d 2016\/02\/01 Emanuel Pastreich Als ich k\u00fcrzlich in Nanjing eintraf um an einer Konferenz teilzunehmen, fragte ich den Studenten, der mir als Wegf\u00fchrer zugewiesen war, ob er mich zu dem ber\u00fchmten konfuzianischen Tempel Fuzimiao in der Altstadt bringen k\u00f6nnte. 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