{"id":5136,"date":"2015-07-10T15:03:36","date_gmt":"2015-07-10T15:03:36","guid":{"rendered":"http:\/\/green-liberty.org\/circlesandsquares\/?p=5136"},"modified":"2015-07-13T14:35:18","modified_gmt":"2015-07-13T14:35:18","slug":"ein-aufruf-zur-vernunft-am-60-jahrestag-des-russel-einstein-manifests","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/green-liberty.org\/circlesandsquares\/2015\/07\/10\/ein-aufruf-zur-vernunft-am-60-jahrestag-des-russel-einstein-manifests\/","title":{"rendered":"Ein Aufruf zur Vernunft am 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Ein Aufruf zur Vernunft am 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>60 Jahre nachdem Albert Einstein und Bertrand Russell ihr Manifest \u00fcber die wachsende Gefahr eines Weltkriegs ver\u00f6ffentlicht hatten, sieht sich der Globus erneut mit der M\u00f6glichkeit eines Atomkriegs konfrontiert &#8211; zusammen mit der Bedrohung durch den Klimawandel<\/em><\/p>\n<p>(von Emanuel Pastreich, 9. Juli 2015)<\/p>\n<p>Es war genau von 60 Jahren, als Bertrand Russell und Albert Einstein mit einer Gruppe f\u00fchrender Intellektueller in London zusammen kamen und ein Manifest unterzeichneten[1], in welchem sie die gef\u00e4hrliche Dynamik hin zu einem Krieg zwischen den kommunistischen und anti-kommunistischen Fraktionen des Globus verurteilten. Zu den Unterzeichnern dieses Manifests geh\u00f6rten f\u00fchrende Nobelpreistr\u00e4ger wie Hideki Yukawa und Linus Pauling.<\/p>\n<p>Sie nahmen dabei kein Blatt vor den Mund, indem sie die Drang nach Krieg und das r\u00fccksichtslose Reden vom Gebrauch nuklearer Waffen, die damals \u00fcber die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hinwegfegten, als Gefahr f\u00fcr die gesamte Menschheit bezeichneten. In dem Manifest wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass die technologischen Fortschritte, insbesondere die Erfindung der Atombombe, die Menschheitsgeschichte ver\u00e4ndert hatten.<\/p>\n<p>Das Manifest fasste die Wahl, vor die die Menschheit gestellt wurde, in scharfen Worten zusammen:<\/p>\n<p><em>&#8220;Hier also liegt das Problem, nackt, furchtbar und unausweichlich: Werden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Das Russell-Einstein Manifest erzwang eine ernsthafte Neubetrachtung der gef\u00e4hrlichen Richtung, in die sich die Vereinigten Staaten in der damaligen Zeit bewegten und war der Beginn einer Neuausrichtung der Idee von Sicherheit, die zum Nichtverbreitungspakt von 1968 und zu den R\u00fcstungskontrollgespr\u00e4chen der 1970er Jahre f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen uns heute nicht auf diesen Errungenschaften ausruhen. Die Vereinigten Staaten haben ihre gem\u00e4\u00df dem Nichtverbreitungsvertrag eingegangenen Verpflichtungen vollst\u00e4ndig vergessen und das Wort &#8220;R\u00fcstungskontrolle&#8221; ist aus der Diskussion \u00fcber Sicherheit verschwunden. Das vergangene Jahr stand unter dem Zeichen der Konfrontation der Vereinigten Staaten mit Russland in der Ukraine bis zu einem Ausma\u00df, dass viele von der Gefahr eines nuklearen Kriegs gesprochen haben.<\/p>\n<p>Als ein Ergebis dessen gab Russland am 16. Juni dieses Jahres bekannt, dass es 40 neue Interkontinentalraketen[2] in Betrieb nehmen wolle, als Antwort auf die Investitionen der Vereinigten Staaten in die Nachr\u00fcstung der U.S.-Nuklearstreitkr\u00e4fte w\u00e4hrend der vergangenen zwei Jahre.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Spannungen sind zwischen Japan und China im Disput \u00fcber die Senkaku\/Diaoyutai-Inseln und zwischen den Vereinigten Staaten und China \u00fcber das S\u00fcdchinesische Meer aufgekommen. Diskussionen \u00fcber die M\u00f6glichkeit eines Kriegs mit China tauchen mit zunehmender H\u00e4ufigkeit in den westlichen Medien auf, und zutiefst verst\u00f6rend ist dabei ein klarer Drang hin zur Militarisierung der amerikanischen Beziehungen mit Asien.<\/p>\n<p>Aber in der heutigen Zeit werden die Gefahren eines nuklearen Kriegs erg\u00e4nzt durch eine gleichwertige oder sogar noch gr\u00f6\u00dfere Bedrohung: den Klimawandel. Selbst der Kommandant des Pazifikkommandos der Vereinigten Staaten (&#8220;United States Pacific Command&#8221;), Admiral Samuel Locklear, teilte dem &#8220;Boston Globe&#8221; im Jahr 2013 mit[3], dass der Klimawandel &#8220;allerh\u00f6chstwahrscheinlich diejenige Sache ist&#8230;die die Sicherheitsarchitektur l\u00e4hmen wird, wahrscheinlich mehr als andere Szenarien, \u00fcber die wir oft sprechen.&#8221;<\/p>\n<p>J\u00fcngst gab Papst Franziskus eine detaillierte und unverbl\u00fcmte Enzyklika heraus, die sich der existenziellen Bedrohung durch den Klimawandel widmet und in der er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>&#8220;Es ist bemerkenswert, wie schwach die internationalen Reaktionen in Antwort [auf den Klimawandel] bisher gewesen sind. Daraus folgend ist das Beste, das man erwarten kann, oberfl\u00e4chliche Rhetorik, sporadische Akte der Philanthropie und ohne wirkliches Interesse daherkommende Bekundungen der Sorge um die Umwelt. W\u00e4hrend jeder ernstgemeinte Versuch von Gruppen innerhalb der Gesellschaft Wandel herbeizuf\u00fchren, als eine auf romantisierten Illusionen basierende Bel\u00e4stigung oder als zu umgehendes Hindernis betrachtet wird.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Als der 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests n\u00e4her r\u00fcckte, wurde ich zunehmend verst\u00f6rt in Anbetracht der vollst\u00e4ndigen Unt\u00e4tigkeit unter den am besten Gebildeten und den Gut-Vernetzten im Angesicht eines der gef\u00e4hrlichsten Momente in der modernen Geschichte, und vielleicht in der menschlichen Geschichte \u00fcberhaupt, weitaus d\u00fcsterer als das, dem sich Russell und Einstein gegen\u00fcber sahen. Nicht nur sehen wir uns einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Kriegs gegen\u00fcber; auch gibt es Anzeichen daf\u00fcr, dass der Klimawandel schneller voranschreitet als zuvor erwartet. Das &#8220;Science Magazine&#8221; hatte j\u00fcngst eine Studie ver\u00f6ffentlicht[4], die eine massive Zerst\u00f6rung im Bereich der Meere vorhersagt, falls wir den gegenw\u00e4rtigen Trends folgen, und selbst die Gletscher der s\u00fcdantarktischen Halbinsel &#8211; die einst f\u00fcr die stabilsten gehalten wurden &#8211; schmelzen in rapider Geschwindigkeit[5]. Und trotzdem sehen wir von den Gro\u00dfm\u00e4chten noch nicht einmal die oberfl\u00e4chlichsten Anstrengungen um dieser Bedrohung zu begegnen.<\/p>\n<p>Ich sprach informell \u00fcber meine Sorgen mit meinem Freund John Feffer, Direktor der Zeitschrift &#8220;Foreign Policy in Focus&#8221; mit Sitz in Washington D.C. und Partner des &#8220;Asia Institute&#8221; in Seoul, Korea. John hat in gro\u00dfem Umfang \u00fcber die Erfordernis geschrieben, den Klimawandel als die prim\u00e4re Sicherheitsbedrohung zu identifizieren und hat auch eng mit Miriam Pemberton vom &#8220;Institute for Policy Studies&#8221; zusammengearbeitet in der Bem\u00fchung, die Vereinigten Staaten von der Milit\u00e4rwirtschaft wegzubewegen. Gemeinsam stellten wir eine etwas aktualisierte Version des Manifests zusammen, die den Klimawandel betont (ein Problem, das im Jahr 1955 noch nicht verstanden wurde) und machten daraus ein Dokument, das nicht nur von Nobelpreistr\u00e4gern, sondern von jedem Menschen auf der Welt unterzeichnet werden kann.<\/p>\n<p>Ich sprach auch mit David Swanson, einem Freund aus meinen Tagen, als ich mit meiner Arbeit den Wahlkampf von Dennis Kucinich f\u00fcr dessen Nominierung durch die Demokratische Partei im Jahr 2004 unterst\u00fctzte. David steht heute im Dienst als Direktor von &#8220;World Beyond War&#8221; und ist tiefgr\u00fcndig engagiert in der Arbeit um einen Konsens zu schaffen, in dem Krieg nicht l\u00e4nger eine Notwendigkeit f\u00fcr die menschliche Gesellschaft darstellt. Er bot an, das Manifest einer breiten Gruppe von Aktivisten vorzustellen und wir einigten uns darauf, dass &#8220;Foreign Policy in Focus&#8221;, das &#8220;Asia Institute&#8221; und &#8220;World Beyond War&#8221; gemeinsam das neue Manifest mittragen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sendete ich den Entwurf an Noam Chomsky, der bereitwillig anbot das Manifest zu unterzeichnen und dazu den folgenden Kommentar schrieb:<\/p>\n<p><em>&#8220;Im vergangenen Januar wurde die ber\u00fchmte &#8220;Atomkriegsuhr&#8221; zwei Minuten n\u00e4her an Mitternacht heranger\u00fcckt, so nahe wie nicht mehr seit einer gro\u00dfen Kriegsangst vor 30 Jahren. Die begleitende Erkl\u00e4rung, die davor warnt, dass die best\u00e4ndige Bedrohung durch nuklearen Krieg und &#8220;ungehinderten Klimawandel&#8221; die menschliche Zivilisation ernsthaft bedrohen, ruft die d\u00fcstere Warnung von Bertrand Russell und Albert Einstein an die Menschen vor 60 Jahren in Erinnerung und ruft sie auf, eine Entscheidung zu treffen, die &#8220;nackt, furchtbar und unausweichlich [ist]: Werden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>In der gesamten Menschheitsgeschichte gab es niemals eine Entscheidung wie diejenige, der wir heute gegen\u00fcber stehen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Im Folgenden ist die Deklaration zum 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests aufgef\u00fchrt. Wir m\u00f6chten alle Menschen, die um die Zukunft der Menschheit und die Zukunft der irdischen Biosph\u00e4re besorgt sind, dazu ermutigen, sich den Unterzeichnern der Erkl\u00e4rung anzuschlie\u00dfen und Freunde und Familienmitglieder dazu einzuladen, ebenfalls die Erkl\u00e4rung zu unterzeichnen. Die Deklaration kann hier auf der &#8220;DIY RootsAction&#8221;-Website unterzeichnet werden: http:\/\/diy.rootsaction.org\/p\/man<\/p>\n<p><strong>Deklaration zum 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests:<\/strong><\/p>\n<p>(9. Juli 2015)<\/p>\n<p>In Anbetracht des wachsenden Risikos, dass in zuk\u00fcnftigen Kriegen Waffen, nukleare und andere, eingesetzt w\u00fcrden, welche die fortschreitende Existenz der Menschheit gef\u00e4hrden, dr\u00e4ngen wir die Regierungen der Welt darauf zu verstehen und \u00f6ffentlich anzuerkennen, dass ihre Ziele nicht durch einen Weltkrieg vorangetrieben werden k\u00f6nnen. Und wir fordern sie dazu auf, infolgedessen nach friedlichen Wegen der Beilegung strittiger Angelegenheiten zwischen ihnen zu suchen.<\/p>\n<p>Auch schlagen wir vor, dass alle Regierungen der Welt damit beginnen, diejenigen Ressourcen, die bislang der Vorbereitung auf destruktive Konflikte zugeteilt wurden, einem neuen, konstruktiven Zweck zukommen zu lassen: der Abmilderung des Klimawandels und dem Errichten einer neuen und nachhaltig zukunftsf\u00e4higen Zivilisation im globalen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Das Bestreben dieser Deklaration wird unterst\u00fctzt von &#8220;Foreign Policy in Focus&#8221;, dem &#8220;Asia Institute&#8221; und &#8220;World Beyond War&#8221; und wurde am 9. Juli 2015 ins Leben gerufen.<\/p>\n<p>Die Deklaration kann hier unterzeichnet werden:<\/p>\n<p>http:\/\/diy.rootsaction.org\/p\/man<\/p>\n<p>Warum ist diese Deklaration wichtig?<\/p>\n<p>Genau vor 60 Jahren versammelten sich f\u00fchrende Intellektuelle unter der F\u00fchrung von Bertrand Russell und Albert Einstein in London, um ein Manifest zu unterzeichnen und um mit diesem ihre Sorge zum Ausdruck zu bringen, dass der Kampf zwischen den kommunistischen und anti-kommunistischen Blocks im Zeitalter der Wasserstoffbombe die Vernichtung der Menschheit besiegeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Obwohl wir bislang den nuklearen Krieg, den diese Intellektuellen f\u00fcrchteten, vermeiden konnten, wurde die Gefahr lediglich hinausgeschoben. Die Bedrohung, die unl\u00e4ngst wieder erschienen ist zusammen mit den Konflikten in der Ukraine und im Mittleren Osten, ist nur noch d\u00fcsterer geworden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus droht mit der Beschleunigung des technischen Fortschritts ein Weiterreichen von nuklearen Waffen, und vielen anderen Waffen mit \u00e4hnlicher Zerst\u00f6rungsgewalt, in die H\u00e4nde einer wachsenden Zahl an Nationen (und potenziell auch an &#8220;nicht-staatliche Akteure&#8221;). Zur selben Zeit haben die Erstbesitzer nuklearer Waffensysteme dabei versagt, ihren Verpflichtungen unter dem Nichtverbreitungspakt nachzukommen, welche die Vernichtung der eigenen Arsenale verlangen.<\/p>\n<p>Und jetzt sehen wir uns einer existenziellen Bedrohung gegen\u00fcber, die m\u00f6glicherweise in Konkurrenz zu den destruktiven Konsequenzen selbst eines umfassenden Atomkriegs treten k\u00f6nnte: dem Klimawandel. Die raubgierige Ausbeutung unserer Ressourcen und ein gedankenloses Vertrauen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe haben eine noch nie dagewesene St\u00f6rung unseres Klimas verursacht. Zusammen mit einem unbegrenzten Angriff auf unsere W\u00e4lder, unsere Feuchtbiotope, unsere Ozeane, und auf unsere Ackerb\u00f6den &#8211; im Streben nach kurzfristigen Gewinnen &#8211; hat uns diese unhaltbare wirtschaftliche Expansion an den Rand des Abgrunds gebracht.<\/p>\n<p>Das Original-Manifest von 1955 erkl\u00e4rt: <em>&#8220;Wir sprechen hier nicht als Angeh\u00f6rige dieser oder jener Nation, dieses oder jenes Erdteils oder dieses oder jenes Glaubensbekenntnisses, sondern als Angeh\u00f6rige der Spezies Mensch, deren weitere Existenz zweifelhaft geworden ist.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Die Zeit ist f\u00fcr uns gekommen um mit dieser entstellten und irref\u00fchrenden Auffassung von Fortschritt und Entwicklung, die uns verf\u00fchrt hatte und uns zur Zerst\u00f6rung gef\u00fchrt hat, zu brechen.<\/p>\n<p>Intellektuelle tragen &#8211; mit den Gaben ihrer spezialisierten Expertisen und Einsichten \u00fcber die wissenschaftlichen, kulturellen und historischen Wirkungskr\u00e4fte, die uns in diese missliche Lage gebracht haben &#8211; eine besondere F\u00fchrungsverantwortung. Zwischen einem S\u00f6ldner-Heer, das ohne R\u00fccksicht auf Konsequenzen eine Agenda der engen Interessen verfolgt, und einer oft entmutigten, in die Irre gef\u00fchrten, und manchmal apathischen B\u00fcrgerschaft, stehen die Intellektuellen jeder Fachrichtung und aus jedem Arbeitsgebiet.<\/p>\n<p>Es liegt an uns, die r\u00fccksichtslose Beschleunigung des R\u00fcstungswettlaufs und die kriminelle Zerst\u00f6rung des \u00d6kosystems anzuprangern. Die Zeit ist f\u00fcr uns gekommen, um unsere Stimmen in einer gemeinsamen Anstrengung zu erheben.<\/p>\n<p>Erstunterzeichner:<\/p>\n<p>Noam Chomsky, professor emeritus, MIT<\/p>\n<p>Helen Caldicott, author<\/p>\n<p>Larry Wilkerson, retired United States Army Colonel and former chief of staff to Secretary of State Colin Powell.<\/p>\n<p>Benjamin R. Barber, president, Global Parliament of Mayors Project<\/p>\n<p>Naomi Klein, author of This Changes Everything<\/p>\n<p>David Swanson, director, World Beyond War<\/p>\n<p>John Feffer, director, Foreign Policy in Focus<\/p>\n<p>Emanuel Pastreich, director, The Asia Institute<\/p>\n<p>Leah Bolger, chair, coordinating committee, World Beyond War<\/p>\n<p>Ben Griffin, coordinator, Veterans For Peace UK<\/p>\n<p>Michael Nagler, founder and president, The Metta Center for Nonviolence<\/p>\n<p>John Horgan, science journalist &amp; author of The End of War<\/p>\n<p>Kevin Zeese, co-director, Popular Resistance.<\/p>\n<p>Margaret Flowers, M.D., co-director of Popular Resistance<\/p>\n<p>Dahr Jamail, staff reporter, Truthout<\/p>\n<p>John Kiriakou, associate fellow, Institute for Policy Studies and CIA Torture Whistleblower<\/p>\n<p>Kim Hyung yul, president of the Asia Institute and professor of history, Sook Myung University<\/p>\n<p>Choi Murim, professor of medicine, Seoul National University<\/p>\n<p>Coleen Rowley, retired FBI agent and former Minneapolis Division legal counsel<\/p>\n<p>Ann Wright, retired U.S. Army Colonel and former US diplomat<\/p>\n<p>Mike Madden, vice president, Veterans For Peace, Chapter 27 (veteran of the US Air Force)<\/p>\n<p>Chante Wolf, 12 year Air Force, Desert Shield\/Storm veteran, member of Chapter 27, Veterans For Peace<\/p>\n<p>William Binney, former NSA technical director, World Geopolitical &amp; Military Analysis and co-founder of the SIGINT Automation Research Center.<\/p>\n<p>Jean Bricmont, professor, Universit\u00e9 Catholique de Louvain<\/p>\n<p><strong>Das Russell-Einstein Manifest<\/strong><\/p>\n<p>(herausgegeben in London am 9. Juli 1955)<\/p>\n<p>Angesichts der tragischen Situation, welcher die Menschheit gegenw\u00e4rtig gegen\u00fcbersteht, meinen wir, dass sich die Wissenschaftler zur Aussprache zusammenfinden sollten um die Gefahren, welche aufgrund der Entwicklung der Massenvernichtungsmittel entstanden sind, abzusch\u00e4tzen, und um \u00fcber eine Resolution im Sinne des am Ende stehenden Entwurfs zu diskutieren.<\/p>\n<p>Wir sprechen hier nicht als Angeh\u00f6rige dieser oder jener Nation, dieses oder jenes Erdteils oder dieses oder jenes Glaubensbekenntnisses, sondern als menschliche Wesen, als Angeh\u00f6rige der Spezies Mensch, deren weitere Existenz zweifelhaft geworden ist. Die Welt ist voller Streitigkeiten und der titanische Kampf zwischen Kommunismus und Antikommunismus \u00fcberschattet alle kleineren Konflikte.<\/p>\n<p>Fast jedermann mit politischem Bewusstsein hegt feste Ansichten \u00fcber eine oder mehrere dieser Streitfragen. Aber wir bitten inst\u00e4ndig darum, derartige Meinungen zur\u00fcckzustellen und sich lediglich als Mitglied einer biologischen Art zu betrachten, die eine beachtliche Geschichte hinter sich hat und deren Untergang keiner von uns w\u00fcnschen kann.<\/p>\n<p>Wir wollen versuchen, nicht ein einziges Wort auszusprechen, das bei einer Partei mehr Anklang finden w\u00fcrde als bei einer anderen. Alle schweben in gleichem Ma\u00dfe in Gefahr; und wenn erst die Gefahr erkannt worden ist, besteht die Hoffnung, dass man sie gemeinsam abwenden kann.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen lernen, auf neue Art zu denken. Wir sollten nicht mehr danach fragen, welche Mittel und Wege dem milit\u00e4rischen Siege der von uns bevorzugten Partei offen stehen. Solche M\u00f6glichkeiten gibt es n\u00e4mlich gar nicht mehr. Vielmehr stehen wir vor der Frage, auf welche Weise eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung, deren Folgen f\u00fcr alle Beteiligten unheilvoll sind, verhindert werden kann.<\/p>\n<p>Die allgemeine \u00d6ffentlichkeit und sogar viele M\u00e4nner in f\u00fchrenden Stellungen haben sich noch nicht vergegenw\u00e4rtigt, was ein Krieg mit Kernbomben bedeuten w\u00fcrde. Die Allgemeinheit denkt hierbei immer noch an die Ausradierung von St\u00e4dten. Man hat begriffen, dass die neuen Bomben noch st\u00e4rker sind als die alten und dass, w\u00e4hrend eine Atombombe seinerzeit Hiroshima vernichten konnte, nunmehr eine Wasserstoffbombe die gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte wie London, New York und Moskau dem Erdboden gleichmachen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zweifellos w\u00fcrden in einem Wasserstoffbombenkrieg die gro\u00dfen St\u00e4dte verschwinden. Aber das w\u00e4re nur eines der kleineren Ungl\u00fccke, die uns bevorstehen w\u00fcrden. Wenn in London, New York und Moskau alle bis auf den letzten Mann umgebracht werden w\u00fcrden, dann k\u00f6nnte sich die Welt im Lauf von ein paar Jahrhunderten von diesem Schlag erholen. Aber heute wissen wir, vor allem seit dem Bikini-Atoll-Versuch, dass Kernbomben Verderben \u00fcber ein viel gr\u00f6\u00dferes Gebiet allm\u00e4hlich ausbreiten k\u00f6nnen, als bisher vermutet worden war.<\/p>\n<p>Aus zuverl\u00e4ssiger Quelle wird berichtet, dass man zurzeit eine Bombe herstellen kann, welche 2500mal so wirksam ist wie jene, welche Hiroshima zerst\u00f6rt hat. Solch eine Bombe jagt radioaktive Teilchen in die obere Atmosph\u00e4re, sofern sie in Bodenn\u00e4he oder unter Wasser explodiert. Diese Teilchen sinken allm\u00e4hlich wieder herab und erreichen die Erdoberfl\u00e4che in Gestalt t\u00f6dlichen Staubes oder Regens. Mit derartigem Staub wurden seinerzeit die japanischen Fischer und ihr Fang infiziert.<\/p>\n<p>Kein Mensch wei\u00df, wie weit solche t\u00f6dlichen radioaktiven Teilchen ausgestreut werden k\u00f6nnen, aber die hervorragendsten Fachleute erkl\u00e4ren einm\u00fctig, dass es sehr gut m\u00f6glich w\u00e4re, dass ein Krieg mit Wasserstoffbomben der menschlichen Rasse ein Ende setzt. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass beim Einsatz vieler Wasserstoffbomben ein allgemeines Sterben anhebt &#8211; pl\u00f6tzlich und schnell nur f\u00fcr die Minderzahl, f\u00fcr die Majorit\u00e4t hingegen als qualvolle Krankheit und langsames Dahinwelken.<\/p>\n<p>Viele M\u00e4nner der Wissenschaft und Autorit\u00e4ten der Kriegsf\u00fchrung haben gewarnt. Keiner von ihnen sagt, dass die \u00fcbelsten Auswirkungen gewiss sind. Aber sie sagen, dass jene Folgen m\u00f6glich sind, und dass niemand<\/p>\n<p>sicher sein k\u00f6nne, dass sie nicht eintreten werden. Wir haben bis jetzt nicht finden k\u00f6nnen, dass die diesbez\u00fcglichen Ansichten der Fachleute in irgend einer Weise von ihrer politischen Einstellung oder von anderen Vorurteilen abh\u00e4ngen. Vielmehr haben unsere Nachforschungen erwiesen, dass hierf\u00fcr der Umfang der Sachkenntnis des einzelnen Fachmannes ma\u00dfgeblich ist, und dass diejenigen M\u00e4nner, welche am meisten wissen, die \u00e4rgsten Bef\u00fcrchtungen haben.<\/p>\n<p>Hier also liegt das Problem, nackt, furchtbar und unausweichlich: \u201cWerden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?&#8221; Man mag der Frage nicht n\u00e4hertreten, weil den Krieg abzuschaffen so schwierig sei.<\/p>\n<p>Die Beseitigung des Krieges wird unangenehme Einschr\u00e4nkungen der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t verlangen. Was aber vielleicht mehr als alles andere ein Verst\u00e4ndnis der Situation verhindert, liegt daran, dass das Wort \u201cMenschheit&#8221; sich so unbestimmt und abstrakt anh\u00f6rt. Die Menschen stellen sich kaum vor, dass die Gefahr ihnen selbst, ihren Kindern und Gro\u00dfkindern und nicht blo\u00df einer dunkel empfundenen Menschheit droht. Sie k\u00f6nnen es kaum begreifen, dass sie, jeder einzelne und all jene, die sie lieben, in der ungeheueren Gefahr schweben, auf qualvolle Weise umzukommen. Und so wiegen sie sich in der Hoffnung, dass es vielleicht doch zul\u00e4ssig sei, mit Kriegen fortzufahren, wenn die modernen Waffen verboten werden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Diese Hoffnung aber ist eine Illusion. Was f\u00fcr Abmachungen \u00fcber die Ausschaltung der Wasserstoffbombe auch in Friedenszeiten getroffen worden sind, sie w\u00fcrden in Kriegszeiten doch nicht als bindend angesehen werden. Auf beiden Seiten w\u00fcrde die Herstellung der Wasserstoffbombe wieder aufgenommen werden, sobald der Krieg ausgebrochen ist. Denn wenn auf der einen Seite die Bombe hergestellt wird und auf der anderen nicht, dann w\u00e4re der Gegner mit den Bombers &#8216;unvermeidlich der Sieger.<\/p>\n<p>Obgleich also ein Abkommen \u00fcber den Verzicht auf Atomwaffen als Teil einer allgemeinen Abr\u00fcstung keine endg\u00fcltige L\u00f6sung darstellen w\u00fcrde, so w\u00fcrde es dennoch gewissen wichtigen Zwecken dienlich sein. Erstens hat jedes \u00dcbereinkommen zwischen Ost und West insoweit etwas Gutes an sich, als es zur Entspannung beitr\u00e4gt. Zweitens w\u00fcrde die Abschaffung der thermonuklearen Waffen, sofern jeder von der ehrlichen Durchf\u00fchrung auf der anderen Seite \u00fcberzeugt sein kann, die Furcht vor einem pl\u00f6tzlichen Angriff im Stile von Pearl Habour, welche gegenw\u00e4rtig beide Seiten in einem Zustand nerv\u00f6ser Sorge h\u00e4lt, verringern. Wir w\u00fcrden daher ein solches \u00dcbereinkommen begr\u00fc\u00dfen, wenn auch nur als ersten Schritt.<\/p>\n<p>Die meisten von uns denken <em>nicht <\/em>unparteiisch, aber als Menschen m\u00fcssen wir uns stets vor Augen halten: Wenn die Streitfragen zwischen Ost und West auf irgendeine Weise entschieden werden k\u00f6nnen, welche jeden Partner weitgehend zufriedenstellen kann, sei er Kommunist oder Antikommunist, Asiate, Europ\u00e4er oder Amerikaner, Wei\u00dfer oder Schwarzer, dann d\u00fcrfen diese Streitfragen keinesfalls durch Krieg entschieden werden. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass dieses sowohl im Osten als auch im Westen eingesehen wird.<\/p>\n<p>Vor uns liegt, wenn wir richtig w\u00e4hlen, eine best\u00e4ndige Ausweitung von Gl\u00fcck, Wissen und Weisheit. Sollen wir stattdessen den Tod w\u00e4hlen, blo\u00df weil wir unsere Streitereien nicht vergessen k\u00f6nnen? Wir wenden uns als Menschen an unsere Mitmenschen: Erinnert Euch Eures Menschseins und vergesst alles andere! Wenn Ihr das verm\u00f6gt, dann \u00f6ffnet sich der Weg zu einem neuen Paradies. K\u00f6nnt Ihr es nicht, dann droht Euch allen der Tod.<\/p>\n<p>Resolution:<\/p>\n<p><em>Angesichts der Tatsache, dass in einem k\u00fcnftigen Weltkrieg Kernwaffen bestimmt benutzt werden w\u00fcrden, und dass derartige Waffen das Fortbestehen der Menschheit bedrohen, fordern wir die Regierungen, der ganzen Welt auf, einzusehen und \u00f6ffentlich einzugestehen, dass ein Weltkrieg ihren Zielen nicht f\u00f6rderlich sein kann. Weiterhin fordern wir sie auf, friedliche Mittel aufzufinden, um alle Streitsachen zwischen sich zu schlichten.<\/em><\/p>\n<p>Max Born<\/p>\n<p>Perry W. Bridgman<\/p>\n<p>Albert Einstein<\/p>\n<p>Leopold Infeld<\/p>\n<p>Frederic Joliot-Curie<\/p>\n<p>Herman J. Muller<\/p>\n<p>Linus Pauling<\/p>\n<p>Cecil F. Powell<\/p>\n<p>Joseph Rotblat<\/p>\n<p>Bertrand Russell<\/p>\n<p>Hideki Yukawa<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>1) http:\/\/www.umich.edu\/~pugwash\/Manifesto.html (&#8220;The Russell-Einstein Manifesto&#8221;, July 09, 1955)<\/p>\n<p>2) http:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/russia-to-increase-nuclear-arsenal-as-us-plans-more-firepower-in-europe\/2015\/06\/16\/2e81d4f4-1445-11e5-8457-4b431bf7ed4c_story.html (&#8220;Russia to increase nuclear arsenal as U.S. plans more firepower in Europe&#8221;, June 16, 2015)<\/p>\n<p>3) http:\/\/www.bostonglobe.com\/news\/nation\/2013\/03\/09\/admiral-samuel-locklear-commander-pacific-forces-warns-that-climate-change-top-threat\/BHdPVCLrWEMxRe9IXJZcHL\/story.html (&#8220;Chief of US Pacific forces calls climate biggest worry&#8221;, The Boston Globe, March 09, 2013)<\/p>\n<p>4) http:\/\/www.sciencemag.org\/content\/349\/6243\/aac4722 (&#8220;Contrasting futures for ocean and society from different anthropogenic CO2 emissions scenarios&#8221;, Science Magazine, July 03, 2015)<\/p>\n<p>5) http:\/\/www.sciencemag.org\/content\/348\/6237\/899 (&#8220;Dynamic thinning of glaciers on the Southern Antarctic Peninsula&#8221;, Science Magazine, May 22, 2015)<\/p>\n<p>6) http:\/\/diy.rootsaction.org\/petitions\/manifesto-on-the-future-of-war-and-climate-change (&#8220;Manifesto on the Future of War and Climate Change&#8221;, July 09, 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Aufruf zur Vernunft am 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests 60 Jahre nachdem Albert Einstein und Bertrand Russell ihr Manifest \u00fcber die wachsende Gefahr eines Weltkriegs ver\u00f6ffentlicht hatten, sieht sich der Globus erneut mit der M\u00f6glichkeit eines Atomkriegs konfrontiert &#8211; zusammen mit der Bedrohung durch den Klimawandel (von Emanuel Pastreich, 9. Juli 2015) Es war &#8230; <a title=\"Ein Aufruf zur Vernunft am 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/green-liberty.org\/circlesandsquares\/2015\/07\/10\/ein-aufruf-zur-vernunft-am-60-jahrestag-des-russel-einstein-manifests\/\" aria-label=\"Read more about Ein Aufruf zur Vernunft am 60. 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